Ubuntu auf Android – was heute schon geht!

Die Ankündigung Ubuntu auf Android-Geräte zu bringen hat in den letzten Tagen für Furore gesorgt. Die Idee dahinter: Nachdem Andocken des Smartphones an einen Monitor, Maus und Tastatur startet Ubuntu samt Unity parallel zum bereits bestehenden Android. Unter Ubuntu hat man so Zugriff auf alle Desktop-Applikationen wie Libreoffice, Gimp sowie allen anderen Programmen in den Ubuntu Repositorien. Zusätzlich kann man auch Android Programme auf dem großen Monitor mit Maus und Tastatur bedienen und Daten wie Logins und Dokumente sollten in beiden Systemen bereitstehen. Wer sich einmal einen Appetit auf Ubuntu für Android holen möchte, sollte sich dieses inoffizielle Video eines Entwicklers ansehen. Bis es erste Geräte mit Ubuntu geben wird, wird sicherlich noch einige Zeit verstreichen. Wer will, kann ein ähnliches System aber heute schon haben, denn von der technischen Sicht ist das ganze eigentlich gar nicht einmal so schwierig, da einige der Schlüsseltechnologien bereits in den aktuellen High End Smartphones integriert sind.

Video-Ausgabe

Die Video-Ausgabe wäre so zum Beispiel entweder über einen dedizierten HDMI-Ausgang möglich wie man ihn etwa beim Motoral Atrix 4G oder beim Motorola Droid X findet, anderseits gibt es auch die Möglichkeit einen HDMI-Ausgang über MHL zu realisieren. MHL (Mobile High-Definition Link) ist ein neues Protokoll zur Übertragung von Audio/Video-Daten an ein HD-Ausgabegerät und wird etwa bereits beim Samsung Galaxy S2 oder beim HTC Evo angeboten. Während der Wiedergabe wird das Gerät entweder mit einer externen Stromversorgung oder direkt über den Monitor/Fernseher aufgeladen. Alternativ gibt es natürlich auch noch die Möglichkeit, die Ausgabe mittels Streaming zu realisieren. Momentan kann man auf diese Weise zwar nur Video-Inhalte etwa via DNLA auf einen kompatiblen Fernseher oder einem Media Center wie XBMC wiedergeben, eventuell wird sich aber in Zukunft ein Standard zum Anbinden von mobilen Geräten an Monitore mittels Streaming entwickeln.

Eingabegeräte

Auch die Eingabe von Daten mittels Maus und Tastatur ist bei modernen Smartphones nicht wirklich schwierig zu realisieren. Am einfachsten baut man die Verbindung dabei mit Bluetooth auf. Android unterstützt das schon in der Standardkonfiguration und zeigt bei einer angeschlossenen Maus etwa automatisch einen kleinen Mauscursor an. Die Hardware Voraussetzungen von Ubuntu für Android verlangen aber nach einer weiteren Verbindungsmöglichkeit, nämlich dem USB-Host-Mode. Damit lassen sich in der Theorie beliebige Geräte am Smartphone anschließen, da es prinzipiell wie ein Computer, als Host agiert. Das einzige mir bekannte Geräte das den USB-Host Mode momentan unterstützt ist das Google Nexus. Da der USB-Host-Mode aber mittlerweile (seit Android 3.1) eine Standardfunktionalität des Android-Systems ist, kann man wohl damit rechnen, dass bald mehr Geräte diesen Modus unterstützen. Mittels USB-OTG (On-The-Fly) kann man an Geräten wie dem Samsung Galaxy S2 auch heute schon USB-Hubs mit Maus, Tastatur einer mehreren Terabyte großen Festplatte betreiben. Die einzige Voraussetzung ist dabei ein spezielles OTG-Kabel. In meinen eigenen Tests funktionierte das ganze eigentlich hervorragend, allerdings startet das Smartphone nach dem Abstecken mancher Geräte plötzlich ohne ersichtlichen Grund neu.

Android auf Ubuntu (Quelle: ubuntu.com)


Ubuntu parallel installieren

Ubuntu auf einem Android-Gerät zu betreiben wurde schon in etlichen Anleitungen erklärt (da die Anleitungen von Gerät zu Gerät unterschiedlich sind, kann ich an dieser Stelle keinen Link anbieten). Prinzipiell wird in den meisten vorgestellten Methoden Ubuntu einfach in einen chroot auf der SD-Karte des Smartphones installiert. Ein Script startet alle nötigen Dienste inklusive eines VNC-Servers mit dem man grafischen Zugriff auf das System mithilfe eines VNC-Clients auf dem Smartphone erhält. Kombiniert man diesen Ansatz mit der Ausgabe auf einem großen Monitor mittels HDMI oder MHL und schließt man dann noch eine Maus und Tastatur über Bluetooth an kann man heute bereits einen vollwertigen Ubuntu Desktop auf einem Smartphone mit genügend Power haben. Das System hat gegenüber der von Canonical angekündigten Ubuntu-Version nur drei Nachteile:

  • keine einfache Integration der Nutzerdaten zwischen den Systemen
  • kein Zugriff auf Android-Programme direkt aus dem Ubuntu-System
  • langsamere Performance durch den Umweg über einen VNC-Server

Fazit

Einer der großen Vorteile von Ubuntu für Android wäre die Vielzahl an Programmen, die sich aus den Ubuntu Quellen installieren ließen. Statt einfachen Apps mit denen man schnell einmal ein Word-Dokument lesen kann, würde man so Zugriff auf Programme wie LibreOffice oder Gimp bekommen, mit denen man tatsächlich auch seriös arbeiten kann. Fraglich ist jedoch, ob sich Canonical mit Ubuntu in diesem hart umkämpften Markt tatsächlich etablieren kann. Mit Tablets gibt es auch jetzt schon Android-Geräte mit großen Displays und mehr und mehr Programme werden für diesen Zweck angepasst. Somit werden es viele Hersteller eher vorziehen auf einem externen Monitor eine Tablet ähnliche Oberfläche anzubieten als ein komplett anderes User-Interface wie Unity. Ein weiterer Hemmfaktor ist der Trend zum Cloud-Computing. Viele Programme wie ein Textbearbeitungstool kann man heute bereits bequem online abrufen und ein lokaler vollwertiger Linux-Desktop widerspricht dem eigentlich.

Ich persönlich bin von der Idee eines vollwertigen Linux-Desktops auf dem Smartphone schon lange begeistert. Die Ankündigung von Canonical überraschte mich nicht einmal so, immerhin hat die Firma vor Kurzem mit UbuntuTV ein ähnliches Projekt angekündigt. Beiden Ideen basieren auf einer Geräteklasse abseits des klassischen Linux-Desktops und bringen die Anpassungsstärke eines Linux Systems zum Tragen und beide bieten Canonical eine Chance endlich auch in die schwarzen Zahlen zu kommen. Fraglich ist es meiner Meinung dennoch ob die Firma damit den großen Coup landen kann, immerhin schläft die Konkurenz nicht. Die Nachfrage an High End Smartphones ist zwar vorhanden, ob es aber auch genügend Nachfrage nach derartigen Geräten mit einem Ubuntu Desktop gibt ist fraglich, da viele Power-User die sich einen Desktop in der Hosentasche zum Arbeiten wünschen bislang auf ihren Hauptgeräten tendenziell eher Windows einsetzen.

  1. Chris sagt:

    Mit dem Nokia N900 (Betriebssystem: Debian-Ableger Maemo 5.0) ist so etwas bereits realisierbar. Das hat allerdings kein HDMI, sondern „nur“ analoges Video. Es kann aber im USB host mode arbeiten und nimmt dabei auch Tastatur und Maus an. Einen weiteren X-Server kann man auch darauf starten. Die Programme werden allerdings etwas langsam laufen, weil der Prozessor schon einige Jahre auf dem Buckel hat.

    btw: USB kann nicht „beliebig viele“ Geräte, sondern nur 127 verwalten. Wobei man so viele Geräte nie an ein Smartphone anschließen will.

    Die Performance wird sowieso unterirdisch sein, bei dem Speicherdurchsatz, den so ein ARM-Prozessor hat… lächerlich…

  2. schneida sagt:

    Tja echte Linux Geräte die Linux nicht nur im Kernel haben sind hier natürlich noch besser dran.

    Performance glaube ich wäre durchaus in Ordnung. Manche Geräte sind durchaus bereits mit Atom Systeme vergleichbar und wenns dann die ersten Quadcores gibt glaub ich nicht, dass es an der Leistung scheitern könnte.

  3. Daniel sagt:

    Die ganze Sache finde ichcabsolut klasse. (und das als Apple User *g)
    Ich denke allerdings das es auf einem Tablet auf jedenfall mehr sinn macht. Wie grandios wäre es für alle normal Anwender wenn sie mit ihrem Tablet ordentlich mit Office, Bild Bearbeitung und Video/Musik Schnitt arbeiten könnten. Und im nächsten Moment ganz gemütlich auf der Couch Emails checken und im Internet dürfen.
    Ein Gerät und das wunderbar variabel!

    Denn es gibt genug Leute die Platz sparen wollen aber dennoch nicht in die cloud auslagern wollen.

    Gruß Daniel

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