Kurztest: ReactOS 0.3.13

Das Team von ReactOS verfolgt das ehrgeizige Ziel, ein neues, freies Betriebsystem auf Basis der Windows NT-Architektur von Microsoft aufzubauen. Die Kompatibilität zum Original sollte dabei von der Hadwareebene bis zur Anwendungsebene vollständig erhalten bleiben. Als Basis setzt man allerdings nicht auf einen Linux-Kernel, sondern verwendet einen komplett neuen Kernel. Das ultimative Ziel von ReactOS sei es, so die Entwickler, Windows komplett mit ReactOS ersetzen zu können, ohne dass der Benutzer einen Unterschied bemerke. Teile von ReactOS werden in regelmäßigen Abständen mit dem Wine-Projekt synchronisiert, davon hauptsächlich Bibliotheken für die Nutzung von Windows-Programmen unter dem neuen Betriebsystem.

Das Projekt ist zwar noch im Alpha-Stadium, eine Live-CD sowie verschiedenen virtuelle Images und eine Installations-CD kann der Nutzer allerdings jetzt schon downloaden und ausprobieren. Die aktuelle Version 0.3.13 wurde am 22. März 2011 veröffentlicht.

Kurztest

Um einen Überblick über den aktuellen Status von ReactOS zu bekommen, habe ich ReactOS testweise unter VirtualBox installiert. Ein Test auf echter Hardware wäre zwar auch möglich gewesen, hat mich aber aufgrund der vielen Abstürze in der virtuellen Maschine nicht sehr gereizt.

Die Installation geht sehr schnell und ähnelt der von Windows XP. Der anschließenden Bootprozess verläuft ebenfalls schnell, was wohl auch dem geringen Funktionsumfang zu verdanken ist. Direkt nach dem Start findet man eine klassische Windows Oberfläche im Stil von Windows 98 vor. Es werden bereits eine Vielzahl an Programmen, wie etwa ein Explorer, ein Bildbetrachtungsprogramm, eine Wine Version des Internet Explorers (der im Test allerdings nicht zu funktionieren schien), ein Kommandozeileninterpreter (cmd.exe), Taschenrechner, Spiele und vieles mehr mitgeliefert. Besonders toll ist aber die Möglichkeit, mittels des ReactOS Application Managers (ein Art Paketmanager) weitere OpenSource-Programme, Demos und Bibliotheken nachzuinstallieren. Das funktioniert im Test auch hervorragend, auch wenn sich die Auswahl an Programmen auf einige wenige Dutzende beschränkt und diese zum Teil auch in veralteten Versionen angeboten werden. Mit dabei sind unter anderem Firefox in verschiedenen Versionen bis 3.6, VLC (1.1.18), IrfanView (4.28), Diablo II (Demo), Steam Client, Opera, Putty, Thunderebird (3.1.9), etc. Leider werden nur die nötigen Installer downgeloadet und der Setup-Prozess gestartet. Danach läuft die Installation von Hand.

Ein von mir nachinstallierter Firefox 4 tatohne Probleme seinen Dienst, und mittels HTML5 ließen sich auch YouTube-Videos ohne Flash, wenn auch sehr sehr ruckelig, wiedergeben. Andere Programme streikten jedoch, etwa funktioniert beim mitgelieferten Dateimanager das Wechseln in eine höhere Ebene weder mit dem „Zurück“, noch mit dem „Nach oben“-Button in der Menüleiste. Oftmals bekommt man es auch mit Fehlermeldungen oder noch nicht implementierten Funktionen zu tun. Man merkt dem Projekt den Alpha-Status eben doch noch an. Auch Abstürze gab es hin und wieder, wobei ich hier eigentlich schon relativ positiv überrascht war. Im Vergleich zu meinem letzten Test (0.3.2) läuft die neue Version wesentlich stabiler.

Wer meint, ReactOS sei bloß Wine ohne Linux Unterbau, der irrt! Im Gegensatz zu Wine unterstützt ReactOS auch Windows-Treiber, wovon ich mich im Test auch selbst teilweise überzeugen konnte. Die VirtualBox-Addons ließen sich im Test nämlich einwandfrei installieren, die virtuelle Mausintegration funktionierte auf Anhieb und auch der Grafiktreiber wurde vom System akzeptiert, führte allerdings zu Darstellungsfehlern. Immerhin, ich hätte nach der Installation mit einem Totalabsturz gerechnet.

Fazit: Alles in allem kann man sagen, dass das Projekt langsam aber sicher vorankommt. Ob die Entwickler es tatsächlich schaffen werden, eine zu Windows kompatible Alternative zu programmieren bezweifle ich zwar momentan noch. Viele Windows Programme funktionieren im Test schon recht gut, bei der Hardwarekompatibilität sieht es jedoch momentan noch nicht so gut aus (USB fehlt, wenig Treiber,…). Wenn die Entwickler es allerdings schaffen sollten, Windows Treiber für ReactOS verständlich zu machen, dann wäre das ein wirklicher Vorteil im Vergleich zu Linux, wo es aufgrund mangelnder Hilfe der Hardwarhersteller oft nur durch Reverse Engineering gelingt, Treiber zu schreiben.

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