XBMC 11 Eden kommt bald!

Das populäre Open Source Mediencenter XBMC nähert sich langsam aber sicher einem neuen Major Release an. Seit ein paar Tagen steht der Release Candidate 2 zum Download auf der Projektseite bereit. Die neue Version bringt vor allem Verbesserungen in der Architektur mit sich, aber auch ein Port für iOS, neue Funktionen wie die Wiedergabe ungeschützter BluRays und ein neues Standard-Design sind mit an Board. Da ich ein großer Fan von XBMC bin habe ich die neue Version bereits jetzt einmal angetestet.

iOS-Port

Die größte Neuerung von XBMC ist sicherlich der iOS-Port für Geräte wie den Apple TV 2, das iPad oder auch das iPhone. XBMC kann dabei ganz einfach auf jedem Geräte mit Jailbreak und mindestens iOS 4.x aus dem Cydia-Store installiert werden. Die Installation wird detailliert im Wiki des Projektes beschrieben und lässt sich innerhalb kurzer Zeit durchführen. Grundsätzlich lassen sich alle auf den anderen Plattformen unterstützen Videoformate in SD-Qualität auch auf den iOS-Geräten wiedergeben. HD-Material im H.264 Format kann ebenfalls auf den meisten Geräten wiedergeben werden, alle anderen HD-Formate funktionieren aufgrund mangelnder Leistung aber nur schlecht und auch nur auf dem iPad 2 und dem iPhone 4S. Musik und Videos sollte man am besten auf einem Netzwerkspeicher vorhalten, denn keines der Geräte unterstützt externe Festplatten oder andere Datenträger. Lediglich auf dem iPad kann man mithilfe des SD-Adapters auf externes Material auf SD-Karten zugreifen.

Ich hab XBMC auf einem iPad der ersten Generation getestet und war von der Stabilität und der Funktionalität positiv überrascht. Das “Touched”-Theme funktioniert gut und die Steuerung ist auch einigermaßen flüssig. Der Zugriff auf meine Videodatenbank mittels SMB funktionierte auf Anhieb und mithilfe eines Tricks lassen sich alle Bibliotheken mit mehreren XBMC-Installationen synchronisieren. So sieht man auf dem Mediencenter am Fernseher die gleichen Videos wie auf einem iPad oder einer Installation auf einem Notebook. Schade ist, dass XBMC auf dem iPad noch kein Multitasking unterstützt, sprich sobald man in eine andere Anwendung wechselt wird XBMC beendet und man muss von vorne Anfangen.

BluRay-Wiedergabe

Eines der am meisten geforderten Features der Community war ein ordentlicher Support für BluRays. Dem sind die Entwickler in der neuen Version auch nachgekommen und unterstützen das direkte Wiedergeben von BluRays und BluRay ISO-Dateien. Ein großer Wermutstropfen bleibt aber: Die Unterstützung für das Abspielen von BluRays bleibt auf ungeschützte Filme beschränkt und auch Menüs werden bislang nicht unterstützt. Grund dafür ist, dass es noch keine Open Source Bibliothek zum Umgehen der Verschlüsselung oder zur Darstellung von Menüs von BluRays gibt. Bis sich die Situation ändert und es eine Art libdvdcss für BluRays gibt muss man auf andere Möglichkeiten zurückgreifen, etwa wie in dieser Anleitung beschrieben, die auch bereits mit der alten XBMC-Version Dharma funktioniert.
Die Wiedergabe klappt dank ausgereifter Hardware-Beschleunigung selbst auf schwachbrünstigen Atom-HTPCs ohne Probleme in voller HD-Auflösung und mit Sound über HDMI oder SPDIF. Nervig ist bei manchen Videos die Suche nach der richtigen Audio-Spur, da XBMC diese oft nicht mit Namen benennen kann und man so raten muss.

Theming und GUI

XBMC Eden bringt auch eine neues Standard Theme mit horizontalem Layout mit. Die Entwickler beschreiben in einem Eintrag, dass sie damit das Auffinden von Videos und Addons erleichtern und unnötige Klicks vermeiden wollen. Zusätzlich zur neuen Addon-Leiste unten gibt es auch die Möglichkeit oben die kürzlich hinzugefügten Serien und Filme anzuzeigen.

Das alte Confluence Theme

Das alte vertikale Confluence Theme aus XBMC Dharma. (Quelle: xbmc.org)

Das neue Confluence Theme aus Eden

Das neue horizontale Confluence Theme aus XBMC 11. (Quelle: xbmc.org)

Außer dem neuen Standard-Design gibt es aber auch einige Verbesserungen für Entwickler eigener Themen. Diese sollen noch besser auf die verschiedenen Funktionen von XBMC zugreifen können und so um einiges flexibler werden. Weiters wurde die Maus und Touch-Unterstützung verbessert sowie Touch-Gesten eingeführt. Das ist natürlich im Hinblick auf den iOS-Port beinahe zwingend nötig gewesen.

PVR-Unterstützung?

Leider haben es die Entwickler in dieser Version nicht geschafft eine eigene ordentliche PVR-Unterstützung zu programmieren. Wer also Filme mit einer TV-Karte aufzeichnen möchte oder live anschauen will, der muss weiterhin auf externe Lösungen wie MythTV oder VDR zurückgreifen und diese in XBMC mithilfe von Addons integrieren. Ein eigenes Backend rund um TV-Karten soll aber die nächste Version mit sich bringen.

Weitere Neuerungen

Die oben genannten Verbesserungen sind natürlich nicht alle Änderungen der neuen Version. Ich bin so frei und fasse ein paar der wichtigsten kleinen Perlen aus der Englischen-Wikipedia und der Roadmap des Projektes zusammen:

  • Allgemeine Verbesserung der CPU und GPU-Auslastung, vor allem auf der ARM-Architektur und in Zusammenhang mit erweiterten Prozessorfeatures wie MMX oder SSE
  • Slingbox-Wiedergabe (Set-Top-Box zum ortsunabhängigen Fernsehen)
  • Verbesserter OpenGL ES und EGL Support
  • VDPAU-Verbesserungen – etwa hardwarebeschleunigtes Upscaling mit NVIDIA GPUs
  • AirPlay/AirTunes Support
  • Verbesserte Addons API, etwa eigene Webinterfaces für Addons
  • Stub-Files um Nachrichten anzuzeigen, etwa wenn eine DVD ins Archiv aufgenommen werden sollte, ohne dass ein Image davon existiert
  • NFS-Support auf allen Platformen
  • Update der ffmpeg-Bibliothek

Fazit

XBMC kann es in der neuen Version auf jeden Fall mit kommerziellen Mediencentern aufnehmen. Die Entwickler haben meiner Meinung nach zwar keine bahnbrechende Neuerungen eingeführt, aber einige Probleme der alten Version ausmerzen können. Leider trüben DRM-Systeme wie die Verschlüsselung von BluRays weiterhin den absoluten Mediengenuss, wer aber etwas Geduld mit sich bringt oder weiterhin bei DVDs bleibt und auf BluRay-Medien verzichten kann wird das wenig stören.

  1. kyio sagt:

    ja prima. erst gestern wurde seitens apple das ATV3 mit 1080p unterstützung angekündigt. wie du schon beschrieben hast, mit jailbreak meine absolute traumvorstellung in sachen stromsparendes standalone media center.
    ich habe den RC2 auf meinem ipad2 sofort getestet. es läuft (bei mir) genau so gut wie die davor laufende beta2 und beta3. das touched theme finde ich ok, aber das überarbeitete confluence theme finde ich jetzt einfach noch besser. man kann jetzt alles sehr einfach per touchbedienung erreichen.
    den touched behalte ich natürlich auch weiter im auge

    • schneida sagt:

      Du hast recht, dass Touched Theme ist noch verbesserungswürdig. Hast du keine Probleme mit einem komplett verzerrten Bild mit dem Confluence-Theme? Zumindest auf dem iPad 1 schaut das ziemlich schlecht aus.

  2. Jens sagt:

    Cool das mit makemkv und dem plugin funktioniert ja total gut und ist sogar noch total einfach :)

    besten dank für den tip !!!

  1. Es gibt noch keine Trackbacks für diesen Post!

Kommentar hinterlassen